Was in Familien krank macht und was heilt

Kaum etwas prägt den Menschen mehr als seine Familie, im positiven wie im negativen Sinne.. Sind die Auswirkungen krankmachend, stellt sich die Frage, wie diese zu erkennen und zu behandeln sind

 

Häufig liegt der Schlüssel zu einer Krankheit in dem Umfeld, aus dem ein Patient stammt – in seiner Familie. Eine Reihe ungeschriebener Familiengesetze und –ereignisse beeinflussen Verhalten und Gesundheit eines Menschen. Folgen solcher „familiäre Verstrickungen“ genannten Auswirkungen können körperliche, geistige und seelische Störungen sein.

 

Familie als System

 

Eine wertvolle Ergänzung naturheilkundlicher Behandlungsverfahren stellt daher ein familienorientiertes Behandlungssystem dar: die „Systemische Therapie“ nach Bert Hellinger. Mit Hilfe dieser Methode wird geschaut, welche Einflüsse aus der Familie möglicherweise zur Entstehung von Krankheit beitragen. Dabei wird zwischen Herkunfts- und Gegenwartsfamilie unterschieden.

 

Der Ablauf einer Familienaufstellung in einer Gruppe sieht in etwa folgendermaßen aus: Zunächst schildert der Patient seine Beschwerden und sein Anliegen. Anschließend beschreibt er seine Lebenssituation und besondere Vorkommnisse in der Familie in kurzen Worten. Von größter Wichtigkeit sind hierbei „Familiengeheimnisse“ um solche Familienmitglieder, die verachtet oder verstoßen wurden, die verschollen oder früh gestorben oder abgetrieben wurden.

Im Anschluss daran stellt der Klient seine Familie auf. Dazu wählt er aus den anwesenden Personen so genannte Stellvertreter für sich selbst und die anderen Familienmitglieder. Diese Personen stellt er nach seinem „inneren Bild“ in ihrer Beziehung zueinander im Raum auf.

Nach einer Zeit werden diese Stellvertreter nacheinander nach ihren Empfindungen, Impulsen und körperlichen Reaktionen gefragt, die sie an diesem Platz verspüren.

 

Das verblüffende und nicht leicht zu erklärende daran ist, dass in der Aufstellung die Stellvertreter Empfindungen und Gefühle, zum Teil sogar Schmerzen und Beschwerden entwickeln, wie sie die tatsächlichen Personen, also die, die sie nur vertreten, ebenso oder in ähnlicher Weise haben.

 

Aus diesem Bild und den Äußerungen der Stellvertreter ergeben sich Hinweise auf belastende Verstrickungen oder auf in der Aufstellung fehlende Personen. Nach Notwendigkeit werden diese nun mit in die Aufstellung hineingenommen und auch ansonsten, häufig unter Zuhilfenahme von so genannten Lösungssätzen, Umstellungen vorgenommen. Der Prozess ist dann abgeschlossen, wenn sich eine Lösung, d.h. eine befreiende Aufstellung gefunden hat, in der die teilnehmenden Personen einen für sie guten Platz gefunden haben.

Dann begibt sich der Klient an die Stelle, die bislang sein Stellvertreter für ihn eingenommen hatte, und verinnerlicht dieses Lösungs- als sein neues „inneres Bild“.

„Heilung“ geschieht in dieser Vorgehensweise durch das sehr intensive Erleben – nicht durch Analysieren und rationales Verstehen.

Häufig zeigt sich in den Aufstellungen, dass insbesondere der Einfluss zunächst nicht aufgestellter Familienmitglieder unheilvoll sein kann, es zeigt sich in aller Deutlichkeit, dass ihr Ausgeklammert-Sein dafür sorgt, dass später Geborene gerade deren Rolle übernehmen. Die Aufstellungen zeigen auch, in welchem Maße Kinder für ihre Eltern zu sühnen bereit sind oder sie auch versuchen zu entlasten, indem sie deren Symptome und Krankheiten übernehmen., aus Liebe und um die Eltern am Leben zu halten.

Die beschriebene Methode eignet sich auch dafür, systemische Störungen in Vereinen, Firmen und anderen Organisationen auf zu decken und „in Ordnung“ zu bringen.

 

© Jörg Pantel 2006